Die ehemalige Tongrube Willershausen zählt zu den bedeutendsten Fossillagerstätten weltweit. Vor rund 3 Millionen Jahren befand sich hier ein kleiner See mit einer Tiefe von ca. 20 m und einem geschichteten Wasserkörper. Der See besaß eine sauerstofffreie, tiefe Todeszone, die angereichert war mit Schwefelwasserstoff. Der tiefe Wasserkörper war durch eine Grenzschicht vom darüber liegenden sauerstoffreichen Wasser getrennt (Meromixis).
Die früheren geobiologischen Prozesse sind in einer bis zu 30 cm dicken laminierten Dolomit-Bank aus der Tiefenzone des Sees archiviert. Die laminierte Dolomit-Bank ist ein Resultat Sulfat-reduzierender Mikroben und zeichnet sich durch Jahresschichtungen (Warven) aus. Dieser ökologische Zustand hat ca. 300-350 Jahre existiert. Das Sulfat-reiche Wasser wurde durch tiefe Grundwässer aus der Zechstein Formation über tektonische Störungen in den See verbracht.
In der Dolomit-Bank befinden sich die meisten der exzellent erhaltenen Fossilien, für die die ehemalige Tongrube berühmt ist. Diese Fossillagerstätte ist weltweit einmalig und erlaubt mit rund 500 Arten einen außergewöhnlich detaillierten Einblick in die Lebenswelten des ausgehenden Pliozäns in Mitteleuropa, vor dem Beginn der pleistozänen Kaltzeiten. Den Hauptteil der Funde bilden Blätter und andere Pflanzenreste.
Zu den tierischen Fossilien gehören vor allem Insekten, wie Gottesanbeterinnen, Käfer und Fliegen. Auch Fische, Frösche, der Riesensalamander Andrias, Schildkröten, Flusskrebse, Muscheln und Schnecken wurden gefunden. Hervorragend erhaltene Mäuse und Vogel Reste ergänzen die Artenvielfalt dieser pliozänen Lebenswelt, ebenso wie Hirsche, Tapire und der elefantenartige Anancus.
Mehr als 50.000 Fossilien wurden in der Tongrube geborgen. Ein großer Teil davon liegt im Geomuseum der Universität Göttingen und im Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart.
[Hier könnte man noch einen Text zu Fossiliensuche schreiben, seit wann etc.] [Bild einfügen Fossiliensammler Strauss]
Heute ist die Tongrube ein Nationales Geotop von internationaler Bedeutung. Ihre geologischen Aufschlüsse machen Erdgeschichte sichtbar und begreifbar. Besucherinnen und Besucher erleben hier anschaulich, wie Forscherinnen und Forscher die Vergangenheit Stück für Stück erfasst haben.

























